Das bewegte Hirn

Aktualisiert: 25. März 2020

Ein bekannter Sportartikelhersteller hat sich nicht umsonst nach einen berühmten Akronym benannt. Es sind die Anfangsbuchstaben der berühmten Worte „Animo sano in corpere sano“ (In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist“) des römischen Satirikers Juvenils. Klingt logisch, nur hat er es weder so gemeint, noch so gesagt. Das Zitat ist eigentlich viel länger und soll den religiösen Eifer seiner Mitbürger hörnen. Trotzdem scheinen die modernen Neurowissenschaften das entweder nicht zu wissen oder es war ihnen egal, weil die Aussage doch zu stimmen scheint.

Kaum etwas tut unserem Gehirn so gut wie Bewegung. Aber warum ist das so und was wird dabei verändert? Es kommt –wie so oft- auf verschiedene Dinge an. So ist die Art des Sports für den Effekt genauso entscheidend wie der Unterschied zwischen kurzfristige Effekten und langfristigen Effekten von regelmäßigem Sport.

Kurzzeitige Effekte kann man mit vielen Sportarten mit genügend großer Intensität erreichen. So kommt es zu dem typischen Wohlfühleffekt durch die Ausschüttung von Botenstoffen im Gehirn. Dopamin – als Neurotransmitter des Belohnungssystems bekannt- sorgt im Hirnstamm dafür, dass wir es immer wieder tun. Es ist das sozusagen das Wasser auf unser Mühle der Motivation. Es dauert deswegen in der Regel einige Wochen bis Nichtsportler diesen Effekt spüren, da sich die überdauernde Wirkung von Dopamin auf unsere Motivation - erst nach einer gewissen Menge Wasser (oder Dopamin) entfaltet. (Also dranbleiben, ist angesagt!)

Gleichzeitig steigt die Stimmung. Das ist vermutlich einer Ausschüttung von Tryphophan als Vorstufe von Serotonin zu verdanken, dass eine deutlich antidepressive Wirkung hat.

Zudem wird der Stress geringer, zumindest das Stresshormon Cortisol im Blut. Das ist gesund für das Hirn, da bei großen Mengen Cortisol Hirnstrukturen sogar abgebaut werden können.

Besonders Ausdauersport (aber auch regelmäßiger Sport) scheint einen langfristigen Effekt auf unser Gehirn zu haben. Studien konnten zeigen das die grauen Zellen (besser die sogenannte graue Substanz) zunehmen. Es kommt in einzelnen Regionen vermutlich auch zu einer Neubildung von Neuronen, also zu mehr Hardware für unsere Denkprozesse. In einigen Hirnstrukturen kommt es zur Bildung neuer Blutgefäße, was die Sauerstoffversorgung und somit die Leistungsfähigkeit des Gehirns verbessert. Ebenso wird die Vernetzung – durch die Axone (Verbindungsstellen der Neuronen) angeregt, wodurch mehr Autobahnen im Straßennetz unserer Denkmaschine genutzt werden können. Sport baut also unser Gehirn um.


Aber nicht nur die Hardware verändert sich unter Sport. Nein auch die Software. So konnte gezeigt werden, dass Sport (durch die Neubildung von Neuronen im Hippocampus, als wichtiges Zentrum für Gedächtnisprozesse) die Langzeitgedächtnisleistung steigern kann. Zudem scheint die Aufmerksamkeit, der Fokus sich zu verbessern, wenn wir uns dem schweißtreibenden Freizeitaktivitäten widmen. Das ist auch für Meditierende Interessant (aber natürlich auch für alle anderen). Je mehr die Muskeln im Körper genutzt werden, desto mehr wird auch unserer wichtigster Muskel (tahdah das Gehirn) trainiert. Das hat schützende Langzeiteffekte. Die Wahrscheinlichkeit für psychische Erkrankungen wie Depression oder Demenz nehmen ab und die einzelnen beschriebenen Effekte bleiben für lange Zeit bestehen und das schon bei 3-4 Mal 30 Minuten. Es muss also kein Triathlontraining gemacht werden, um uns wirklich etwas Gutes zu tun. Noch besser ist es, wenn wir den Sport auch noch draußen machen und in Gesellschaft anderer. Dann schütten wir uns wirklich einen schönen Cocktail Wohlfühlhormone ein.

Und es heißt vielleicht: Anino sano in corpere movere. Ein gesunder Geist wohnt in einem bewegten Körper.

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