Intention

Was ist deine Intention in diesem Moment? Du liest diesen Artikel, aber warum? Hast du dir vorgenommen diesen Moment mit Lesen zu verbringen, bist du zufällig hier gelandet, wolltest du eigentlich etwas völlig Anderes machen? Bist du dir der Intention für diesen Moment bewusst oder ist es grade nicht greifbar?

Intentionen sind die kleinen inneren Motoren, die unser Leben bestimmen. Oft sind wir nicht bewusst für die Grundlagen unserer täglichen Handlungen und Zustände, steuern im Autopiloten durch den Tag und lassen uns von äußeren Zielen lenken. Aufgabe X muss noch erledigt werden, Sport wäre jetzt wichtig, ich muss mich noch mit Y vertragen, bevor es eskaliert. Das alles sind Ziele oder priorisierte Tätigkeiten. Ziele sind wichtige Wegweiser, die unserem Verhalten eine Richtung geben können. Sie strukturieren uns und geben uns Orientierung. Dennoch sind sie eng mit dem Modus des Tuns verknüpft. Sie zeigen uns auf wie unsere äußere Performance auszusehen hat, in eng umzeichneten Rahmenbedingungen: Zeit, eingesetzte Ressourcen, mit wem, Ist-Zustand in Soll-Zustand umwandeln.

Wer so eine Suppe kocht, wird in gegebener Zeit, mit den vorgesehenen Zutaten für die angepeilte Menge Freunde ein leckeres Gericht oder ein kulinarisches Desaster zaubern. Ziel erreicht. Ziel nicht erreicht.

Die Intention hingegen beschreibt etwas Anderes. Sie liegt praktisch auf der inneren Seite der Ziele. Die Intention ist in jedem Moment erneuerbar. Es geht um das wie in der Art und Weise wie jeder Moment angegangen wird. Die Intention alle Gefühle zu fühlen, die da sind. Die Intention so präsent wie möglich die Aufgabe zu erledigen. Die Intention den ersten schädlichen Impulsen nicht nachzugeben. Die Intention, trotz Rückschlägen ein offenes Herz zu behalten. Die Intention glücklich zu sein.

Intentionen speisen sich aus Bereitschaft. Die bewusste Entscheidung bereit für jeden Augenblick mit den dazugehörigen Zutaten (Gedanken, Gefühlen und Empfindungen) zu sein. Die bewusste Entscheidung auf eine ganz bestimmte Art und Weise zu sein. Dieses Sein verkörpert die Intention. Ist es zum Beispiel aufmerksam und entspannt zu sein, so können diese Intentionen durch eine aufmerksame und entspannte Art und Weise verkörpert werden. Es geht dabei nicht darum, dauerhaft aufmerksam und entspannt zu sein, sondern nur die größte Bereitschaft einzubringen, um diesen inneren Zustand hervorzurufen.

Wird mit Bereitschaft und Intention dem Moment begegnet, entfaltet dieser seine Möglichkeiten. Aus diesem Möglichkeiten heraus können Ziele erreicht werden, müssen sie aber nicht. Die Zielerreichung hängt von vielen Faktoren ab- manche die nicht zu kontrollieren sind- die Intention ist nur von der Kultivierung von Bewusstsein und Bereitschaft abhängig und kann trainiert werden.

Eine gute Anfangsfrage ist: Was ist meine Intention in diesem Moment? Und in diesem Moment? Vielleicht kannst du dir diese Frage an mehreren Momenten des Tages stellen? Was ist eigentlich meine Intention?

Handle ich nach meiner Intention? Was hält mich ehrlich davon ab, nach der Intention zu handeln?

In der Meditation versuchen wir Intention, Körper und Aufmerksamkeit zusammenzubringen. Beispielsweise in der Atemmeditation. Dabei ist die Intention die Aufmerksamkeit auf den Körperempfindungen des Atems zu halten. Intention, Körperempfindungen und Aufmerksamkeit werden sozusagen an der Nasenspitze zusammengefügt. Es führt zu Klarheit. Wir wissen wo der Körper ist, wir wissen, wo die Aufmerksamkeit ist, wir wissen was die innere Intention ist. Ein Gefühl von Mühelosigkeit und das Verschwinden der Grübelketten folgen vielleicht.

Darum schließen sich auch im Alltag die Fragen an:

- Wo ist mein Körper in diesem Moment?

- Wo ist meine Aufmerksamkeit in diesem Moment?

- Wo ist meine Intention in diesem Moment?

Manchmal treiben diese Dinge auseinander, manchmal sind sie nah beieinander. Achtsamkeit ist die Kultivierung des Zusammenführens dieser Puzzleteile. Während mit etwas Übung die Körperempfindungen und die Aufmerksamkeit lokalisiert werden können, ist die Intention oft diffus verteilt. (Möchte ich jetzt dies oder jenes verkörpern?). Klarheit in die eigenen Intentionen zu bringen, heißt zu spüren, was mir und anderen gut tut.

Dabei kann zum Beispiel eine Woche lang mit nur einer Intention experimentiert werden. Die Intention möglichst großzügig zu sein etwa. Mehrmals am Tag können Großzügigkeit, Aufmerksamkeit und Körperempfindungen sich treffen und sein.

An diesem Ort wird es dann spannend. An diesem Ort entfalten sich die Möglichkeiten jedes Moments.

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